Die Kuratorin, Historikerin und Autorin Mirjam Zadoff wird zum 1. März 2027 vom NS-Dokumentationszentrum München an das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) in Wien wechseln. Das NS-Dokumentationszentrum München hat sie seit 2018 als Direktorin geleitet.
„Ich gratuliere Mirjam Zadoff zu dieser neuen, herausfordernden Position in Wien und danke ihr von Herzen für die langjährige vertrauensvolle und auf vielen Ebenen sehr bereichernde Zusammenarbeit“, so der Münchner Kulturreferent Marek Wiechers. „Unter ihrer klugen und mutigen Leitung hat sich das NS-Dokumentationszentrum in den vergangenen acht Jahren zu einem bedeutenden Ort der Aufklärung, Erinnerung und Diskussion entwickelt. Das Haus am Max-Mannheimer-Platz ist heute eine international vernetzte und weit über die Grenzen der Stadt hinaus höchst anerkannte Kultureinrichtung. Mirjam Zadoff gebührt unser größter Dank für ihr enormes Engagement, ihre Unbeirrbarkeit und ihre Integrität.“
Mirjam Zadoff hat das Profil des NS-Dokumentationszentrums entscheidend geprägt. Mit ihrer interdisziplinären, multiperspektivischen und inklusiven Arbeit hat sie darauf hingewirkt, die Geschichte des Nationalsozialismus einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und an aktuelle Diskurse anzuschließen. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelte sie partizipative Formate, lud internationale renommierte Künstler*innen ein, gestaltete ein facettenreiches Veranstaltungsprogramm für ein diverses Publikum und vernetzte das Haus über Kooperationen und Projekte innerhalb Münchens aber auch weit darüber hinaus.
Mit der Wiedereröffnung 2025 nach einer halbjährigen Umbauphase verwirklichte Mirjam Zadoff ihre Vision von einem offenen und lebendigen Haus auch architektonisch. Neben einem inklusiven Café entstanden neue Kommunikations- und Aufenthaltsräume. Der umgestaltete Max-Mannheimer-Platz ist heute ein beliebter Treffpunkt im Münchner Kunstareal.
Bereits mit einer der ersten, von ihr verantworteten Ausstellungen Tell me about yesterday tomorrow setzte Zadoff 2019 am NS-Dokumentationszentrum neue Maßstäbe. Neben der zeitgenössischen Kunst, die nicht nur in Ausstellungen, sondern auch als Interventionen in der Dauerausstellung sowie auf dem Vorplatz und Außenraum gezeigt wurde, rückte Mirjam Zadoff insbesondere Themen in den Fokus, die bislang wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhielten. Die Ausstellung TO BE SEEN zeigte queeres Leben von 1900 bis 1950 und erhielt für das begleitende digitale Storytelling den Grimme Online Award 2023. Die Ausstellung Wichtiger als unser Leben über das sogenannte Ringelblum-Archiv, eine beispiellose Sammelaktion des Historikers Emanuel Ringelblum im Warschauer Ghetto, das Zadoff in Zusammenarbeit mit polnischen Partner*innen im nsdoku zeigte, wurde im Anschluss im Melbourne Holocaust Museum in Australien und im Johannesburg Holocaust & Genocide Centre in Südafrika gezeigt.
Allein über 20 Ausstellungsprojekte und Interventionen wurden in den vergangenen acht Jahren unter Mirjam Zadoff als Direktorin realisiert, viele davon erzielten Publikumsrekorde. Dazu kommen zahlreiche neue Vermittlungsformate, insbesondere auch für ein junges Publikum, sowie digitale Angebote, Publikationen und vieles mehr, was das Team vom nsdoku nun weiterführen wird – nicht nur am Münchner Königsplatz, sondern ab 2027 auch am neuen Erinnerungsort in Neuaubing. Dort, auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiter*innenlagers hat Zadoff in den vergangenen Jahren entscheidend an der finalen Ausgestaltung der Dependance des nsdoku mitgewirkt, die im Oktober 2027 eröffnet werden soll. Mit einer innovativen Ausstellungs- und Vermittlungsstrategie, digitalen Formaten und Angeboten für Künstler*innen sowie in Zusammenarbeit mit den bereits ansässigen Vereinen, Künstler*innen und Institutionen wird das nsdoku Neuaubing ein weiterer Ort in München sein, der Mirjam Zadoffs Handschrift trägt.
Am 30. November 2026 eröffnet im NS-Dokumentationszentrum München mit Das Klassenfoto die letzte von Mirjam Zadoff als Direktorin verantwortete Ausstellung.