Die Belagerung von Sarajevo von 1992 bis 1996 war mit einer Dauer von 1.425 Tagen die längste Belagerung im 20. Jahrhundert. Allein in Sarajevo starben hunderte Kinder. Tausende wurden verletzt. Was bleibt von einer Kindheit im Krieg? Für sein Buch War Childhood hat Jasminko Halilović weltweit über tausend Stimmen von Menschen zusammengetragen, die während der Belagerung in Sarajevo aufwuchsen. Diese Gespräche mit Überlebenden waren die Inspiration, das international preisgekrönte War Childhood Museum in Sarajevo zu eröffnen.
Die szenische Lesung übersetzt Auszüge dieses Archivs in einen multimedialen Resonanzraum. Durch die Montage von Textauszügen, dokumentarischen Videoaufnahmen und Tonfragmenten wird die Perspektive der Kinder greifbar. Die Lesung zeichnet das Bild eines Alltags im Ausnahmezustand – geprägt von allgegenwärtiger Bedrohung und Entbehrung, aber auch von Humor, Widerstand, Liebe und Solidarität. Das vielstimmige Panorama der Kinder erinnert an unsere grundlegendste, universelle Verantwortung: Die Kindheit vor der Willkür bewaffneter Konflikte zu schützen. In Sarajevo und überall.
Im Anschluss an die szenische Lesung findet ein Gespräch mit der Regisseurin und der Performance-Gruppe sowie Mitarbeiter*innen des NS-Dokumentationszentrums statt. Das Stück und die Entstehungsgeschichte werden reflektiert und Fragen der Schüler*innen beantwortet.
Ich wurde über Nacht erwachsen. Ich lernte zu lieben, zu verlieren, zu teilen, Angst zu haben. Aber zu hassen habe ich nie gelernt.
Renata, 1978
Regie, Textfassung, Video: Christiane Mudra
Es lesen: Ivona Baković, Enes Şahin und Maja Zećo
Technische Einrichtung: Peer Quednau
Infos zur Veranstaltung
- Ort
- NS-Dokumentationszentrum München, Treffpunkt: Foyer
- Dauer
- 2 1/2 Stunden
- Teilnahme kostenfrei