Über die Spring School
Krieg gab es seit 1945 nicht mehr in Deutschland. Und doch beschäftigen kriegerische Auseinandersetzungen die Menschen: Bilder aus Kriegsgebieten sind allgegenwärtig, Menschen fliehen hierher, Wehrpflicht und Aufrüstung sind Gegenstand politischer Kontroversen. Durch vielfältige Beziehungen und Verbindungen in Regionen, die in den vergangenen 80 Jahren zu Kriegsschauplätzen geworden sind, ist der Krieg auch in Deutschland für viele Menschen unmittelbar und nah. Sowohl die kriegerischen Auseinandersetzungen nach 1945 als auch die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus wirken auf die und in der Gesellschaft.
Referent*innen aus der historisch-politischen Bildung stehen dadurch vor vielfältigen Herausforderungen. Die Thematisierung internationaler Kriege und Krisen erfordert neben Wissen über das jeweilige Geschehen vor Ort viel pädagogisches Feingefühl im Umgang mit Emotionen, Betroffenheit und Polarisierung. In einer von Migration geprägten Gesellschaft stehen teilweise konkurrierende Deutungen internationaler Konflikte, vielfältige Perspektiven und verschiedene historische Bezugspunkte zu Gewaltgeschichte nebeneinander. Pädagog*innen fühlen sich mitunter unsicher und geben der Auseinandersetzung mit aktuellen Kriegen und Krisen deshalb wenig Raum. Dabei werden pädagogische Räume für den Austausch und das gemeinsame Lernen dringend gebraucht, um Empathie zu stärken, Fragen nach Erinnern und Verantwortung auszuhandeln und gesellschaftlicher Spaltung entgegenzuwirken.
Ausgehend von der Ausstellung … damit das Geräusch des Krieges nachlässt, sein Gedröhn wollen wir in der Spring School der Frage nachgehen, wie internationale gewaltvolle Konflikte wirken – einerseits vor Ort, andererseits auf die Gesellschaft in Deutschland. Was bedeutet pädagogische Verantwortung angesichts von Krieg, Polarisierung und Asymmetrien in globalen Machtverhältnissen und Diskursen in Deutschland? Wie können wir Räume schaffen für die Suche nach einer gemeinsamen Sprache der Trauer? Wie kann Bildungsarbeit den Blick auf Frieden und Solidarität richten in Zeiten der Remilitarisierung? Und was bedeutet das Lernen aus (NS-) Geschichte vor dem Hintergrund einer gewaltvollen Gegenwart? Drei Tage lang kommen wir ins Gespräch mit Expert*innen aus Wissenschaft, Bildungsarbeit und Aktivismus.