Über das Symposium
Das Symposium ist Teil des gleichnamigen Forschungsprojekts Zu fragmentarisch ist Welt und Leben? mit dem sich das NS-Dokumentationszentrum München und die Städtische Galerie im Lenbachhaus einem bislang wenig beleuchteten Kapitel der Kulturgeschichte widmen. Im Zentrum steht die Frage, wie eng Künstlerpersönlichkeiten wie Franz von Lenbach, Hans Thoma oder Richard Wagner in die politischen, gesellschaftlichen und ideologischen Netzwerke ihrer Zeit eingebunden waren – Netzwerke, die Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich die völkische Weltanschauung prägten, und umgekehrt.
München, das um 1900 als internationale Kunstmetropole ‚leuchtete‘ und zugleich Schauplatz ideologischer Verdichtungen war, bildet dabei den Ausgangspunkt. War die Stadt bereits politisch durchdrungen oder lediglich ‚vorpolitisch‘? Das Projekt untersucht, wie sich zwischen 1880 und 1913 aus den engen Verflechtungen von Kunst, Gesellschaft und Ideologie langfristige Strukturen entwickelten, die schließlich im Nationalsozialismus kulminierten, München zur ‚Hauptstadt der Bewegung‘ machten – und bis in unsere Gegenwart hineinwirken. Denn Ideen, Ästhetiken und Narrative des Völkischen erfahren heute neue Hochkonjunktur, sei es in spirituell oder ökologisch aufgeladenen Szenen oder ‚klassisch‘ rechtsextremen Milieus.
Das Symposium eröffnet hierzu interdisziplinären Perspektiven aus Geschichts-, Kultur- und Kunstwissenschaften, wie auch aus zeitgenössischer Kunst und Medien und lädt alle Teilnehmenden zur Debatte ein.