Große mediale Aufmerksamkeit erregte zu Beginn des Jahres 2024 ein Geheimtreffen Rechtsextremer, das laut einer Correctiv-Recherche im November zuvor in Potsdam unweit des Hauses der Wannsee-Konferenz stattgefunden hatte. Die menschenfeindlichen völkischen Visionen, die dort mit bedrohlicher Ernsthaftigkeit besprochen wurden, haben ihren Ursprung Ende des 19. Jahrhunderts im Deutschen Kaiserreich: Als Reaktion auf die Modernisierung und Industrialisierung des Deutschen Kaiserreichs sowie auf politische Entwicklungen wie die Gründung des Deutschen Reiches entstand die völkische Weltanschauung, in der Antisemitismus und Rassismus von zentraler Bedeutung sind. Ab dem Ersten Weltkrieg entwickelte das Völkische ein enormes Aggressionspotenzial und bereitete den ideologischen Boden für den Nationalsozialismus und den Holocaust.
Ungebrochen ist der Einfluss der völkischen Weltanschauung auch in der Gegenwart. Nicht nur ist der Begriff ‚völkisch‘ medial omnipräsent. Auch etliche Politiker*Innen und Persönlichkeiten aus rechtsextremen Parteien, Organisationen und Gruppierungen sind in ihrem politischen Handeln und ihren gesellschaftlichen Visionen maßgeblich von völkischem Gedankengut beeinflusst.
Die völkische Bewegung von heute agiert in einem globalisierten und technologisch vernetzten Kontext und nutzt aktuelle Themen wie Umweltbewusstsein und Migration, um ihre Ideologien zu verbreiten. Doch die Grundideen des völkischen Nationalismus und der ethnischen Homogenität haben sich im Vergleich zum Kaiserreich kaum verändert. Auch spielt die Idee der Landnahme und des Rückzugs in ländliche, ‚reine‘ Gemeinschaften nach wie vor eine zentrale Rolle. So treten Rechtsextreme von heute längst nicht mehr nur in Springerstiefeln und mit Glatze auf, sondern engagieren sich auch als vermeintliche ‚Ökolandwirte‘ für ihre politischen Überzeugungen. Verfassungsschutzbehörden warnen seit geraumer Zeit davor, dass Teile der extremistischen Szene versuchen, unter dem Vorwand ökologischer Ziele neue Anhänger*innen zu gewinnen. Auch etwa in esoterischen oder naturheilkundlichen Szenen finden sich zahlreiche Verbindungen in völkisch-rechtsextreme Milieus.
Im Gespräch mit Mirjam Zadoff werden der Filmemacher Florian Hoffmann, der aktuell an einem Spielfilm über die gegenwärtige völkische Bewegung für das ZDF arbeitet, die Investigativjournalistin Andrea Röpke, die seit Jahrzehnten zum Thema Rechtsextremismus recherchiert und berichtet sowie der Journalist Simon Wörz, der als Teil des Kollektivs Lagune 11 unter anderem für den Podcast Seelenfänger esoterische Milieus und völkisches Denken aufdeckt, der gefährlichen wie vielgestaltigen völkischen Weltanschauung unserer Zeit auf den Grund gehen.
Infos zur Veranstaltung
- Ort
- NS-Dokumentationszentrum München, Treffpunkt: Saal
- Anmeldung
Keine Anmeldung notwendig.
- Teilnahme kostenfrei
- Veranstalter
- Eine Kooperation von NS-Dokumentationszentrum München und Städtische Galerie im Lenbachhaus.