Hans Thoma, Wandfries aus dem Musiksaal des Hauses Pringsheim, München: Schalmeien blasende Jünglinge und Satyrknaben unter der Laube, 1891, Öl auf Leinwand | Foto: © Staatsgalerie Stuttgart, erworben 1935

Zu fragmentarisch ist Welt und Leben?* Symposium

Kunst und Kultur, ein nationalkonservatives Milieu und die völkische Weltanschauung in München um 1900 
30. Juli 2026

Über das Symposium

Das Symposium ist Teil des gleichnamigen Forschungsprojekts Zu fragmentarisch ist Welt und Leben? mit dem sich das NS-Dokumentationszentrum München und die Städtische Galerie im Lenbachhaus einem bislang wenig beleuchteten Kapitel der Kulturgeschichte widmen. Im Zentrum steht die Frage, wie eng Künstlerpersönlichkeiten wie Franz von Lenbach, Hans Thoma oder Richard Wagner in die politischen, gesellschaftlichen und ideologischen Netzwerke ihrer Zeit eingebunden waren – Netzwerke, die Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich die völkische Weltanschauung prägten, und umgekehrt.

München, das um 1900 als internationale Kunstmetropole ‚leuchtete‘ und zugleich Schauplatz ideologischer Verdichtungen war, bildet dabei den Ausgangspunkt. War die Stadt bereits politisch durchdrungen oder lediglich ‚vorpolitisch‘? Das Projekt untersucht, wie sich zwischen 1880 und 1913 aus den engen Verflechtungen von Kunst, Gesellschaft und Ideologie langfristige Strukturen entwickelten, die schließlich im Nationalsozialismus kulminierten, München zur ‚Hauptstadt der Bewegung‘ machten – und bis in unsere Gegenwart hineinwirken. Denn Ideen, Ästhetiken und Narrative des Völkischen erfahren heute neue Hochkonjunktur, sei es in spirituell oder ökologisch aufgeladenen Szenen oder ‚klassisch‘ rechtsextremen Milieus.

Das Symposium eröffnet hierzu interdisziplinären Perspektiven aus Geschichts-, Kultur- und Kunstwissenschaften, wie auch aus zeitgenössischer Kunst und Medien die Bühne und lädt alle Teilnehmenden zur Debatte ein.

Infos

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Datum
30. Juli 2026

Ort
NS-Dokumentationszentrum München

Teilnahme kostenfrei

Anmeldung bis 16. Juli 2026

Veranstalter
NS-Dokumentationszentrum München und Städtische Galerie im Lenbachhaus

Programm

10.30 Begrüßung & Einführung

Begrüßung
Prof. Dr. Mirjam Zadoff (NS-Dokumentationszentrum München)

Vis-à-vis. Die Häuser Lenbach und Pringsheim am Königsplatz als Bühne und Spiegel einer Münchner Gesellschaft 
Laura Sophie Stadler (NS-Dokumentationszentrum München)

10.50 Block I

Keynote
Völkisch: Begriff, Weltanschauung, Bewegung und München um 1900
Prof. em. Uwe Puschner (FU Berlin)

Vortrag
Houston Stewart Chamberlain und München
Dr. Sven Fritz (Freischaffender Historiker)

Gemeinsame Diskussion, moderiert von Dr. Angela Hermann (NS-Dokumentationszentrum München)

12.10 Pause

12.40 Block II

Vortrag
„Betont demokratisch und sogar liberal“? – Autobiographische Narrative zum Münchner Gesellschaftsleben der Prinzregentenzeit im Licht von „Kultur, Kunst, Schönheit, Freude“
Dr. Nikola Becker (Bayerische Akademie der Wissenschaften)

Vortrag
Wagnerismus in München um 1900
Dr. Tobias Reichard (Ben-Haim-Forschungszentrum)

Vortrag
Friedrich August von Kaulbach und sein Haus: Ein Malerfürst in München
Dr. Carlos Alberto Haas (Historisches Kolleg)

Gemeinsame Diskussion moderiert von Dr. Paul-Moritz Rabe (NS-Dokumentationszentrum München)

14.00 Pause

15.25 Block III

Vortrag
„Seelische Durchsonntheit“. Völkische Weltanschauungen in der Kunst
Prof. Petra Lange-Berndt (Universität Hamburg)

Vortrag
Austausch zwischen Wien und München.
Vorstellung der Ausstellung Verborgene Moderne. Faszination des Okkulten um 1900
Dr. Ivan Ristić und Matthias Dusini (Leopold Museum)

Gemeinsame Diskussion, moderiert von Dr. Karin Althaus (Lenbachhaus)

16.25 Pause

16.40 Block IV

Vortrag
Blut und bodenständig – Vorstellung der künstlerischen Recherche zu dem Landschaftsarchitekten und NS-„Reichslandschaftsanwalt“ Alwin Seifert (1890–1972)
Caroline Kapp und Beo Tomek (freischaffende Künstler*innen)

Gemeinsame Diskussion moderiert von Dr. Matthias Mühling (Lenbachhaus)

17.40 Pause

19.00 Abendveranstaltung

Diskussion
Bedrohlich aktuell: Die völkische Weltanschauung

Entstanden im späten 19. Jahrhundert, ist der Einfluss der völkischen Weltanschauung bis in unsere Gegenwart ungebrochen. Anhänger*innen rechtsextremer Parteien und Gruppierungen sind maßgeblich von völkischem Gedankengut beeinflusst.
Verfassungsschutzbehörden warnen seit geraumer Zeit davor, dass Teile der extremistischen Szene versuchen, unter dem Vorwand ökologischer Ziele neue Anhänger*innen zu gewinnen. Auch in esoterischen oder naturheilkundlichen Szenen finden sich zahlreiche Verbindungen in völkisch-rechtsextreme Milieus.

Im Gespräch mit Mirjam Zadoff werden der Filmemacher Florian Hoffmann sowie die Investigativjournalist*innen Andrea Röpke und Simon Wörz der gefährlichen wie vielgestaltigen völkischen Weltanschauung unserer Zeit auf den Grund gehen.

Mehr Infos

*Zu fragmentarisch ist Welt und Leben!
Ich will mich zum deutschen Professor begeben,
Der weiß das Leben zusammenzusetzen,
Und er macht ein verständlich System daraus;
Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen
Stopft er die Lücken des Weltenbaus.

– Heinrich Heine (1797–1856), Buch der Lieder, Die Heimkehr, Nr. 58, 1824/1825.
Performance

Plantage Dachau

29. Juli 2026, 18.00 Uhr

Am Vorabend des Symposiums findet die Performance Plantage Dachau der Künstlerin Caroline Kapp im Garten des Lenbachhauses statt, kuratiert von Samira Yildirim.

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