Baracke und Splitterschutzbunker des ehemaligen Zwangsarbeiter*innenlagers München-Neuaubing, 2014 | © NS-Dokumentationszentrum München, Foto: Connolly Weber Photography

Erinnerungsort Neuaubing

Dependance des NS-Dokumentationszentrums München

Im Münchner Westen sind acht Baracken eines ehemaligen Zwangsarbeiter*innenlagers erhalten. Sie sind ein bauliches Zeugnis für die massenhafte Verschleppung und Ausbeutung von Zwangsarbeiter*innen in der NS-Zeit. Zwischen 1939 und 1945 wurden allein im ‚Deutschen Reich‘ etwa 13,5 Millionen Frauen, Männer und Kinder aus ganz Europa als Zwangsarbeiter*innen eingesetzt. Rechnet man die damals von Deutschland besetzten Gebiete dazu, erhöht sich die Zahl auf schätzungsweise 25 Millionen.

Das Lager in Neuaubing war während der NS-Zeit eine von über 400 Sammelunterkünften für Zwangsarbeiter*innen im Münchner Stadtgebiet. Es wurde 1942 von der Reichsbahn errichtet und diente bis 1945 der Unterbringung von bis zu 1.000 Zwangsarbeiter*innen, die beim nahegelegenen Ausbesserungswerk Neuaubing (RAW) arbeiten mussten. Anfangs war das Gelände für zivile Zwangsarbeiter*innen aus der Sowjetunion vorgesehen. Unter ihnen waren viele Frauen, Kinder und Jugendliche. Im Verlauf des Krieges wurden dort auch Menschen aus Polen, Italien und möglicherweise auch aus den Niederlanden und aus Frankreich einquartiert.

Nach 1945 geriet die Geschichte des Lagers nach und nach in Vergessenheit. Erst seit den 2000er-Jahren führte zivilgesellschaftliches Engagement dazu, dass die Geschichte des Ortes wieder sichtbarer wurde. Die acht ehemaligen Baracken werden heute überwiegend als Ateliers und Werkstätten genutzt, aber auch ein Kindergarten und eine Freizeitfarm für Kinder und Jugendliche befinden sich auf dem Gelände. Das Gelände soll mit seinen aktuellen Nutzungen dauerhaft erhalten und um eine Dependance des NS-Dokumentationszentrums München mit Ausstellungen und Vermittlungsangeboten ergänzt werden.

Die zukünftige Dependance in Neuaubing ermöglicht die inhaltliche Erweiterung und Vertiefung des Themas NS-Zwangsarbeit und bietet zudem vielfältige Potentiale, um neue und innovative Wege in der Erinnerungskultur zu gehen. Durch die unterschiedlichen Akteur*innen und Nutzungen wird sich der Ort auch in Zukunft stetig verändern – zugleich soll er aber auch seine verschiedenen Geschichten bewahren und als besonderer historischer Ort für zukünftige Besucher*innen erkennbar und zugänglich werden. Die Eröffnung der Dependance ist für 2025 geplant. Schon jetzt finden regelmäßig Rundgänge statt.

Das digitale Geschichtsprojekt Departure Neuaubing. Europäische Geschichten der Zwangsarbeit begleitet den Entstehungsprozess und macht durch künstlerische und erzählerische Formate die Geschichte der nationalsozialistischen Zwangsarbeit und ihrer Auswirkungen bis in die Gegenwart zugänglich.

Pressebilder

01 | Baracke und Splitterschutzbunker des ehemaligen Zwangsarbeiter*innenlagers München-Neuaubing, 2014 | © NS-Dokumentationszentrum München, Foto: Connolly Weber Photography

02 | Innenansicht von Baracke 5, 2017 | © NS-Dokumentationszentrum München, Foto: Connolly Weber Photography

03 | Innenansicht von Baracke 5, 2017 | © NS-Dokumentationszentrum München, Foto: Connolly Weber Photography

04 | Außenansicht von Baracke 5, 2017 | © NS-Dokumentationszentrum München, Foto: Connolly Weber Photography

05 | Die ehemalige Zwangsarbeiterin Anna Wladimirowna im RAW-Lager Neuaubing, 2017 | © NS-Dokumentationszentrum München, Foto: Connolly Weber

06 | Lageplan des Barackenlagers der Reichsbahn in Neuaubing, Planung November 1942, aus der Bauakte Ehrenbürgstraße 9 | © Lokalbaukommission München

07 | Arbeitskarte des ehemaligen Zwangsarbeiters Jan Bazuin aus dem Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Neuaubing | © Privatbesitz

08 | Illustration von Barbara Yelin aus der Publikation Jan Bazuin. Tagebuch eines Zwangsarbeiters, erschienen 2022 im Verlag C.H. Beck | © NS-Dokumentationszentrum München/Barbara Yelin

Publikationen zum Erinnerungsort

Jan Bazuin. Tagebuch eines Zwangsarbeiters

Das Tagebuch des niederländischen Zwangsarbeiters Jan Bazuin ist das ergreifende Zeugnis eines Rotterdamer Jugendlichen, der während des Zweiten Weltkriegs zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert wurde. Die Zeichnerin Barbara Yelin hat die knappen, schnörkellosen Notizen illustriert, die 2022 erstmals im Verlag C.H. Beck erschienen sind.

Mehr zur Publikation

Zwangsarbeit in München. Das Lager der Reichsbahn in Neuaubing

Die 2018 erschienene Publikation führt in die Geschichte der NS-Zwangsarbeit ein. Historiker*innen stellen die Rekrutierung, die Lebens- und Arbeitsbedingungen, die Repatriierung und Aspekte des Reichsbahnlagers in Neuaubing vor. Außerdem wurden erstmals ehemalige Zwangsarbeiter*innen des Neuaubinger Lagers anhand von privaten Fotografien, Dokumenten und persönlichen Erinnerungen porträtiert.

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