Adolf Ehrt (31.8.1902 Saratow/Russland – 28.6.1975 München)

Biografien
Verfasst von Joachim Schröder

Propagandist der Antikomintern, Russlandexperte

Adolf Ehrt wurde als Sohn eines deutschen Konsuls in Saratow (Russland, heute Ukraine) geboren, 1915 siedelte die Familie nach Deutschland über. Ehert studierte Wirtschafts-, Staats- und Sozialwissenschaften und wurde 1931 an der Handelshochschule Berlin promoviert. Als Russland-Experte arbeitete er für den Evangelischen Presseverband, bekämpfte die Propaganda der kommunistischen ‚Gottlosenbewegung‘ und war u.a. Verfasser der Schrift Entfesselung der Unterwelt. Ein Querschnitt durch die Bolschewisierung Deutschlands, die er 1935 an der Universität Berlin als Habilitationsschrift einreichte.

Seit 1931 gehörte er der NSDAP an. Im September 1933 wurde er Vorsitzender des von Josef Goebbels und Eberhard Taubert begründeten Gesamtverbandes antikommunistischer Vereinigungen (‚Antikomintern‘), kurz darauf auch des Russischen Wissenschaftlichen Instituts in Berlin. Ehrts antikommunistische Propaganda- und Hetzschriften wurden in hoher Auflage veröffentlicht. Nach einem Machtkampf mit dem Außenpolitischen Amt der NSDAP beendete Ehrt seine Tätigkeit für die Antikomintern und das Wissenschaftliche Institut und wechselte ins Statistische Reichsamt. Während des Krieges gegen die Sowjetunion wurde er als Russlandexperte im ‚Wirtschaftsstab Ost‘ des Oberkommandos der Wehrmacht eingesetzt. Nach 1945 arbeitete er für den britischen Geheimdienst und wurde 1956 vom BND übernommen.

Quellen

Ehrt, Adolf/Schweickert, Julius: Entfesselung der Unterwelt. Ein Querschnitt durch die Bolschewisierung Deutschlands, Berlin 1932.
Terror. Die Blutchronik des Marxismus in Deutschland. Auf Grund amtlichen Materials bearbeitet von Adolf Ehrt und H. Roden, hg. vom Gesamtverband deutscher antikommunistischer Vereinigungen e.V., Berlin 1934.
Ehrt, Adolf: Der Weltbolschewismus. Ein internationales Gemeinschaftswerk über die bolschewistische Wühlarbeit und die Umsturzversuche der Komintern in allen Ländern, Leipzig 1938.

Buchsweiler, Meir: Volksdeutsche in der Ukraine am Vorabend und Beginn des Zweiten Weltkriegs – ein Fall doppelter Loyalität? Gerlingen 1984.
Tilitzki, Christian: Die deutsche Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, Berlin 2002.


Empfohlene Zitierweise

Joachim Schröder: Ehrt, Adolf (publiziert am 21.02.2024), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/ehrt-adolf-176