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90. Geburtstag von Ernst Grube

Am Dienstag, 13. Dezember, feierte der Münchner Zeitzeuge und Ehrenbürger Ernst Grube seinen 90. Geburtstag. Das NS-Dokumentationszentrum München würdigte ihn und sein Wirken an diesem Tag bei einer Feier mit geladenen Gästen.

Bürgermeisterin Katrin Habenschaden vertrat den Oberbürgermeister Dieter Reiter und gratulierte Ernst Grube in Vertretung der Landeshauptstadt München.

Ernst Grube ist einer der bekanntesten Münchner Zeitzeugen der NS-Diktatur. Er erlebte seine Kindheit in der bayerischen Landeshauptstadt als einer, der ausgrenzt wurde und den gelben Stern tragen musste. Er wurde nach Theresienstadt deportiert und kehrte nach Kriegsende nach München zurück. Ernst Grube wurde erst Malermeister, dann Berufsschullehrer und ist bis heute als unermüdlicher Zeitzeuge an Gedenkstätten, Schulen, Vereinen und Bildungseinrichtungen unterwegs.

Mit dem NS-Dokumentationszentrum ist Ernst Grube seit vielen Jahren eng verbunden. Die vielen Zeitzeugengespräche und Projekte mit ihm sind ein wichtiger Bestandteil der Vermittlungsarbeit – und ein unschätzbarer Wert für eine lebendige Erinnerungskultur, wie Kulturreferent Anton Biebl in seinem Grußwort anlässlich Grubes Geburtstagsfeier betonte.

Als besonderes Geburtstagsgeschenk hat das NS-Dokumentationszentrum München den Sammelband Aus der Erinnerung für die Gegenwart leben - Geschichte und Wirkung des Shoah-Überlebenden Ernst Grube (Wallstein) herausgebracht. Die Autor*innen des Bandes nehmen Grubes jahrzehntelanges Engagement zum Anlass, die erinnerungspolitischen Dimensionen von Zeitzeugenschaft ebenso zu beleuchten wie Möglichkeiten der Bewahrung und Weitergabe von Zeitzeugenerinnerungen. Der erste Teil des Bands widmet sich der Geschichte der Familie Grube während der NS-Herrschaft sowie dem Lebensweg Ernst Grubes nach 1945. Der zweite Teil gibt Einblicke in seine umfangreiche erinnerungskulturelle Arbeit, die über kulturelle, generationelle und mediale Grenzen hinaus wirkt.

Im Herbst 2023 erscheint noch eine weitere Publikation zu Ernst Grube: Gemeinsam mit der Illustratorin und Künstlerin Hannah Brinkmann arbeitet das NS-Dokumentationszentrum München aktuell an einer Graphic Novel, die vor allem Ernst Grubes Leben nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere sein politisches Engagement im kommunistischen Jugendverband FDJ in den 1950er Jahren, fokussiert. Bei diesem generationenübergreifenden Projekt arbeitet die junge Künstlerin eng mit dem Zeitzeugen zusammen. Erste Panels und Zeichnungen wurden bereits angefertigt, das Buch wird im avant-verlag erscheinen.

Mehr über das Leben und Wirken Ernst Grubes lässt sich seit heute zudem in einem Online-Storytelling erfahren. Unter www.stories.nsdoku.de/ernst-grube können sich Interessierte durch viele Bilder, Ton- und Videodokumente scrollen. Das Storytelling ist Teil des neuen digitalen Angebots #nsdokuStories des NS-Dokumentationszentrums München.

„Ernst Grube ist Zeitzeuge und Münchner Ehrenbürger. Er ist außerdem in jeder Hinsicht ein politischer Mensch mit Prinzipien – eine Eigenschaft, die gerade in diesen Zeiten wieder so wichtig und vorbildhaft ist. Deshalb mischt er sich in aktuelle politische Debatten ein, bezieht öffentlich und eindeutig Stellung: gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und gegen jede Form von Ausgrenzung, Krieg und Gewalt, und für eine offene und tolerante demokratische Gesellschaft. 'Nie wieder Krieg!' lautet seine Mission.“

Katrin Habenschaden, Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München

„In seinen zahllosen Gesprächen und Projekten setzt sich Ernst Grube unermüdlich für einen lebendigen Austausch insbesondere mit der jungen Generation ein. Dieses Engagement ist alles andere als selbstverständlich, denn die Erinnerung an seine eigene und die vielen anderen Verfolgungsgeschichten von Jüdinnen und Juden schmerzen – auch nach so vielen Jahren. Doch wenn Ernst Grube sich mit jungen Menschen trifft, ihnen von „damals“ erzählt, lässt er sich diese großen Verwundungen nicht anmerken: Mit seiner Zugewandtheit und charismatischen Persönlichkeit beeindruckt er seine Zuhörer*innen.“

Anton Biebl, Kulturreferent der Landeshauptstadt München

„Wir könnten keinen besseren Lehrer für unsere Kinder haben – und für uns selbst. Von Ernst Grube lernen wir etwas, das rar und selten ist: Er macht uns aufmerksam auf die Bedeutung und Relevanz des Vergangenen für ein solidarisches Zusammenleben im Heute und in der Zukunft.“

Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München