In den Heimen des SS-Vereins „Lebensborn“ konnten vor allem ledige Frauen Kinder zur Welt bringen, die nach nationalsozialistischer Ideologie als „rassisch wertvoll“ galten. Der Soziologe Dirk Kaesler entdeckte erst spät, dass er selbst in einem solchen Heim geboren wurde. Seine Recherchen führten zu einer erschütternden Familiengeschichte: Sein leiblicher Vater war nicht der im Krieg gefallene Ehemann seiner Mutter, sondern ein SS-Offizier, mit dem sie als Mitarbeiterin des „Lebensborn“ eine Beziehung hatte. Beide Eltern waren für den SS-Verein tätig.
In seinem persönlichen Buch verbindet Kaesler die Geschichte seiner Familie mit den historischen Umbrüchen vom Kaiserreich über den Nationalsozialismus bis in die Nachkriegszeit. Im Zentrum stehen jahrzehntelang verschwiegene Familiengeheimnisse sowie die Themen Lügen und Scham, die die deutsche Nachkriegsgesellschaft prägten.
Mit dem Historiker Andreas Heusler spricht er über seine Familiengeschichte und die Rolle des Lebensborn e.V. in der nationalsozialistischen Rassen- und Gesundheitsideologie. Die Schauspielerin Rita Feldmeier liest aus Keaslers Buch Lügen und Scham: Deutsche Leben (Vergangenheitsverlag).
Dirk Kaesler war bis 2009 Professor für Soziologie an der Philipps-Universität Marburg. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen in der Sozial- und politischen Theorie, der Geschichte der Soziologie, der Religionssoziologie sowie der Max-Weber-Forschung. Seit 2018 ist er Mitglied des Clare Hall College der University of Cambridge. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen die als Herausgeber verantworteten dreibändigen Theorien der Soziologie (1999–2005) sowie die Biografie Max Weber. Preuße, Denker, Muttersohn (2014).
Andreas Heusler, geboren 1960 in Calw, hat Geschichte und Politikwissenschaft in München und Tübingen studiert. Seit 1994 leitet er die Sachgebiete Zeitgeschichte und Jüdische Geschichte am Stadtarchiv München. Zuletzt erschienen: Das Braune Haus. Wie München zur ‚Hauptstadt der Bewegung‘ wurde (2008) und Lion Feuchtwanger (2014).
Rita Feldmeier studierte von 1970 bis 1973 an der Staatlichen Schauspielschule Rostock. Es folgte ein Engagement am Volkstheater Rostock sowie Gastengagements in Berlin, Dresden, Hamburg, Brandenburg an der Havel, Essen und Anklam. Seit 1976 ist sie festes Ensemblemitglied des Hans Otto Theaters Potsdam. Feldmeier wirkte bislang in über 60 Film-und-Fernsehproduktionen mit.
Infos zur Veranstaltung
- Ort
- NS-Dokumentationszentrum München, Treffpunkt: Saal
- Anmeldung
Keine Anmeldung notwendig.
- Teilnahme kostenfrei