In der DDR wurden je nach Quelle einige Hundert bis mehrere Tausend Kinder von ihren Eltern getrennt und zur Adoption freigegeben. Die tatsächliche Zahl ist bis heute unbekannt. Das Familiengesetzbuch der DDR schrieb vor, dass Eltern ihre Kinder „zu aktiven Erbauern des Sozialismus” erziehen sollten. Sie hatten „die Arbeit zu achten”, „die Sowjetunion zu lieben” und „die Grenzen – notfalls auch mit Waffengewalt – zu verteidigen”. Folgten Eltern diesen Vorgaben nicht, hatte der Staat die Macht, ihnen das Erziehungsrecht zu entziehen. Bis heute ist das Thema Zwangsadoption umstritten, die Aufarbeitung von DDR-Unrecht dauert an.
In der fotografisch-dokumentarischen Auseinandersetzung was geschehen und nie geschehen ist beschäftigen sich die Fotografinnen Paulina Metzscher und Amelie Sachs gemeinsam mit der Autorin und Filmemacherin Eva Gemmer mit den jeweiligen Familiengeschichten der Betroffenen. Was bleibt zurück? Kummer? Verlust? Hoffnung? Die Publikation vereint künstlerische Fotografien, Archivmaterialien sowie dokumentarische und poetische Texte.
Über unsere Gäste
Amelie Sachs, geboren 1996 in München, arbeitet als Bildredakteurin und Dokumentarfotografin. In ihren Projekten untersucht sie die Möglichkeiten des feministischen Aufbegehrens gegen patriarchale Strukturen und lässt fiktionale Elemente in ihre dokumentarische Praxis einfließen. Der dialogische und partizipative Entstehungsprozess der Bilder ist wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit.
Eva Gemmer ist Filmemacherin und Journalistin. Sie studierte zunächst Kultur- und Politikwissenschaften in Hamburg und London, absolvierte neben dem Studium eine Journalismus-Ausbildung und schrieb für verschiedene Zeitungsverlage, bevor sie beschloss, dass sie Geschichten lieber in Filmform erzählen will. Seit 2019 studiert sie Dokumentarfilm und Fernsehjournalismus an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Ihre Filme wurden auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt und ausgezeichnet. Derzeit schreibt sie an ihrem Abschlussfilm und arbeitet nebenbei als Filmvermittlerin und Moderatorin.
Infos zur Veranstaltung
- Ort
- NS-Dokumentationszentrum München, Treffpunkt: Saal
- Anmeldung
Keine Anmeldung notwendig.
- Teilnahme kostenfrei