Katalog zur Ausstellung

Das UNESCO Weltkulturerbe dokumentiert erstmalig die Shoah aus der Sicht der Betroffenen, die als Chronist:innen unmittelbar während des Geschehens ihren Alltag beschrieben.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Polen die Heimat von 3,3 Millionen Jüdinnen und Juden. Warschau war das kulturelle, religiöse und politische Zentrum dieser diversen Gemeinschaft. Ein Jahr nach Beginn des deutschen Angriffskrieges zwangen die Nationalsozialist*innen die jüdische Bevölkerung in einen abgeriegelten Teil der Stadt. Der Historiker Emanuel Ringelblum regte daraufhin ein beispielloses Projekt an: eine im Geheimen arbeitende Gruppe, die unter dem Decknamen Oneg Schabbat (Freude des Schabbat) den Alltag des Ghettos dokumentierte. Abgeschnitten von der Welt sammelte und produzierte sie eine Fülle an Material. Mit Beginn des systematischen Mordes an den polnischen Jüdinnen*Juden wurden sie unwillentlich zu Chronist*innen der Shoah, die sie selbst mit wenigen Ausnahmen nicht überlebten. Nach dem Krieg konnte ein Großteil des in Blechkisten und Milchkannen vergrabenen Archivs unter den Ruinen des Ghettos wiedergefunden werden. Mit seinen rund 35.000 erhaltenen Seiten zählt es heute zum UNESCO Weltkulturerbe.

Im September 2023 ist die begleitende Publikation Wichtiger als unser Leben. Das Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos als deutsche und englische Ausgabe im Wallstein Verlag erschienen. Sie kann im NS-Dokumentationszentrum München erworben oder über den Webshop und im Buchhandel bestellt werden.

Mit Beiträgen von Georges Didi-Huberman, Amos Goldberg, Monika Krawczyk, Andrea Löw, Katarzyna Person, Piotr Rypson, Mirjam Zadoff u.a.  

Wichtiger als unser Leben. Das Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos
Deutsche Ausgabe, 134 S., 66 z.T. farb. Abb., Klappenbroschur, 17 x 21 cm
Herausgegeben vom NS-Dokumentationszentrum München / Ulla-Britta Vollhardt, Mirjam Zadoff
ISBN 978-3-8353-5492-0
Preis: 15,00 Euro