Leo Baerwald (20.9.1883 Saaz / Böhmen – 8.4.1970 New York City)

Biografien
Verfasst von Sabine Schalm

Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde München

Leo Baerwald (1883-1870), Aufnahme undatiert | Yad Vashem Photo Archives 1350

Leo Baerwald wuchs in einer religiösen jüdischen Familie auf. Sein Vater war Rabbiner im böhmischen Saaz. Nach dem Abitur am Münchner Wilhelmsgymnasium studierte Baerwald Philosophie in Erlangen, wurde dort 1905 promoviert und legte an der Jüdisch-Theologischen Hochschule in Breslau 1911 das Rabbinatsexamen ab. Seine erste Stelle als zweiter Rabbiner trat er 1911 in München an. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Feldrabbiner der 6. Armee an der Westfront teil. Zurück in München wählte die Israelitische Kultusgemeinde Leo Baerwald im November 1918 zum Rabbiner der Hauptsynagoge.

Seit 1920 setzte er sich gegen die Hitlerbewegung zur Wehr. Die zunehmende Bedrohung und antisemitische Gewaltmaßnahmen erlebte er bei einer NSDAP-Veranstaltung am 30.9.1920. Als er sich zu Wort meldete, wurde er niedergebrüllt. Während einer Pause wurden Bearwald und seine fünf Begleiter von Unbekannten misshandelt und eine Treppe hinuntergestürzt. Ebenso unbekannt blieben ca. 30 Personen, die einen von Baerwalds Vorträgen am 27.4.1921 in München störten, ihn vom Rednerpult rissen und Gäste schwer verletzten. Während des ‚Hitler-Putsches‘ holten Nationalsozialisten Leo Bearwald in der Nacht vom 8. auf den 9.11.1923 aus seiner Wohnung, fuhren mit ihm aus der Stadt und drohten ihm mit Erschießung. Nach der Machtübernahme 1933 wurde Leo Baerwald noch einmal von Nationalsozialisten entführt und Morddrohungen ausgesetzt. Im November 1938 wurde er im KZ Dachau inhaftiert.

1940 emigrierte Baerwald in die USA und übernahm dort bis 1955 als Erster Rabbiner die Einwanderergemeinde Beth Hillel in New York. Nach seiner Pensionierung arbeitete Baerwald für die American Federation of Jews from Central Europe und das Leo Baeck Institute. 1965 wurde er mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet und vier Jahre später mit der Medaille München leuchtet.

Quellen

Bauer, Richard/Brenner, Michael: Jüdisches München. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2006.
Brocke, Michael/Carlebach, Julius (Hg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner, Teil 2, München 2009.
Walter, Dirk: Antisemitische Kriminalität und Gewalt. Judenfeindschaft in der Weimarer Republik, Bonn 1999.

Empfohlene Zitierweise

Sabine Schalm: Baerwald, Leo (publiziert am 21.02.2024), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/baerwald-leo-52