Franz Gürtner (26.8.1881 Regensburg – 29.1.1941 Berlin)

Biografien
Verfasst von Sabine Schalm

Jurist, national-konservativer Politiker, Reichsjustizminister (1932-1941)

Franz Gürtner (1881-1941) | Bundesarchiv, Bild 183-H13466, Foto: Heinscher

Als Sohn eines Lokomotivführers wuchs Franz Gürtner in Regensburg in einem katholischen Elternhaus in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf. Das Gymnasium schloss er 1900 als Jahrgangsbester ab und wurde als Stipendiat in die königliche Studienstiftung Maximilianeum aufgenommen. Hiermit eröffnete sich ihm während seines Jurastudiums (1900-1904) der Aufstieg in die bürgerliche Gesellschaft Münchens und der Zugang zu national-konservativen Kreisen. Dazu gehörte auch sein Kommilitone Karl Alexander von Müller. 1907 trat Gürtner in den bayerischen Justizdienst ein und war 1912 Amtsrichter und Zweiter Staatsanwalt in München. Im Ersten Weltkrieg diente er als Offizier.

1920 wurde Gürtner Landgerichtsrat in München und 1921 Oberregierungsrat im Justizministerium. Zwischen 1922 und 1932 war er als Vertreter der deutsch-nationalen Bayerischen Mittelpartei (später DNVP) in wechselnden Kabinetten bayerischer Justizminister. Franz Gürtner war Anhänger einer autoritären Regierungsform. 1924 setzte er sich für die Durchführung des Hitlerprozesses in München ein, um zu verhindern, dass an einem anderen Gerichtsort die Verstrickung bayerischer Behörden in den Hitler-Putsch offengelegt werden könnte. Im selben Jahr war er an der Aufhebung des Verbots der NSDAP und des Redeverbots für Hitler beteiligt.

1932 bis 1941 war Franz Gürtner Reichsjustizminister. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 setzte Gürtner die Gleichschaltung des Justizwesens durch. 1934 war er am ‚Staatsnotwehrgesetz‘ zur nachträglichen Legitimierung der Morde während der ‚Röhm-Affäre‘ beteiligt. Gürtner wurde 1937 mit dem Goldenen Parteiabzeichen der NSDAP ausgezeichnet.

Als Reichsjustizminister war er mitverantwortlich für die Schaffung formaljuristischer Grundlagen des Verfolgungsapparats von Polizei, Geheimer Staatspolizei (Gestapo), Sicherheitsdienst (SD) und Schutzstaffel (SS). Von einer Dienstreise nach Polen Mitte Dezember 1940 kehrte Gürtner krank zurück und verstarb Ende Januar 1941 in Berlin. Nach einem feierlichen Staatsakt in Berlin wurde er zwei Tage später auf dem Münchner Waldfriedhof beigesetzt.



Quellen

Gruchmann, Lothar:  "Gürtner, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 288-289 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118543326.html (zuletzt abgerufen am 30.1.2024).
Gruchmann, Lothar: Justiz im Dritten Reich 1933-1940. Anpassung und Unterwerfung in der Ära Gürtner, München 1988.
Reitter, Ekkehard: Franz Gürtner, politische Biographie eines deutschen Juristen, Berlin 1976.

Empfohlene Zitierweise

Sabine Schalm: Gürtner, Franz (publiziert am 19.02.2024), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/guertner-franz-298