Stimmen der Zeit Installation

bis Ende Oktober

Über die Installation

Die Installation Stimmen der Zeit präsentiert eine Reihe von Interviews mit außergewöhnlichen Menschen. Sie haben den Alltag und die Auswirkungen der nationalsozialistischen Diktatur als Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene selbst erlebt. Viele Jahre zurückblickend berichten sie von ihren persönlichen Erfahrungen vor, während und nach der NS-Zeit. Manche von ihnen wurden in München geboren, andere hat das Schicksal zeitweise hierhergeführt. Ihre Familien wurden von den Nazis verfolgt und mussten um ihr Überleben kämpfen. In den Gesprächen geben sie Einblicke in diese schmerzhafte Vergangenheit und reflektieren zugleich, wie sie trotz des erlebten Schreckens neuen Sinn im Weiterleben fanden. Was sie verbindet, ist die unerschütterliche Hoffnung auf eine bessere Zukunft für alle Menschen.

Die Filme sind im Rahmen der Dokumentarfilmreihe Zeuge der Zeit entstanden, die der Bayerische Rundfunk seit 2016 realisiert. Darin kommen sowohl Verfolgte und ihre Nach- kommen als auch sogenannte Mitläufer*innen und die Nachkommen von Täter*innen zu Wort. Die verschiedenen Perspektiven machen die Reihe zu einem vielstimmigen filmischen Gedächtnis einer gemeinsamen Geschichte.

Infos

Ort
NS-Dokumentationszentrum München, Galerie


Eine Kooperation des NS-Dokumentationszentrums München mit dem Bayerischen Rundfunk.


Die Filme sind in der ARD-Mediathek in voller Länge online abrufbar. 

Elly Gotz

Alle Fotos: © Bayerischer Rundfunk

Vom Zufall des Schicksals

Elly Gotz stammt aus der litauischen Stadt Kaunas. Mit 13 Jahren wird er gemeinsam mit seiner Familie von den Nazis in ein Ghetto gepfercht. Er erzählt von der Todesangst im Konzentrationslager, aber auch davon, wie es ihm gelang im Ghetto Kaunas eine geheime Bibliothek einzurichten.

Eva Umlauf

Die Gefühlserbin

Als Eva am 19.12.1942 im deutschen „Arbeitslager für Juden“ in Nováky (heutige Slowakei) geboren wird, herrschen minus 20 Grad. Eva Umlauf ist eines der wenigen Kinder, die im Lager geboren werden und die Vernichtung überleben. Dass sie ihre Geschichte der Nachwelt erzählen kann, gleicht einem Wunder.

Mano Höllenreiner

„Wir wollten halt noch leben“

Hermann „Mano“ Höllenreiner, ein deutscher Sinto, 1933 geboren, wächst in der Münchner Au auf. Im März 1943 wird er als Neunjähriger mit seiner Familie nach Auschwitz deportiert. Begleitet von seiner Frau Else Höllenreiner berichtet er über die Verfolgung und den zähen Kampf um Anerkennung. 

Charlotte Knobloch

Eine Kindheit im Versteck

Am 29. Oktober 1932 kommt Charlotte Neuland in München auf die Welt. Als Sechsjährige erlebt sie die Gewalt der Novemberpogrome. 1941 kann sie der Vater auf einem frän kischen Bauernhof vor der Deportation verstecken. Nach dem Krieg wird Charlotte Knobloch das jüdische Leben in Deutschland wie kaum eine andere prägen.

Ernst Grube

KZ-Kind, Jude, Antifaschist

Ernst Grube wird 1932 in München geboren. Als Acht jähriger muss er den Judenstern tragen. Mit einem der letzten Transporte wird er 1945 ins KZ Theresienstadt deportiert. Nach dem Krieg engagiert er sich für die Kommunistische Partei und wird deshalb inhaftiert. Bis heute spricht er als Zeit‑ zeuge an Schulen.

Rachel Salamander

Spuren in die Zukunft

Die 1949 geborene Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander ist Tochter von Holocaust-Überlebenden und wächst in einem Lager für „Displaced Persons“ bei München auf. Sie erzählt von ihrer Kindheit im Land der Täter, von den langen Schatten der Shoa und vom Wiederaufbau jüdischer Kultur.

Abba Naor

„Wir kamen immer wieder zurück ins Lager“

Abba Naor ist 13 als die Deutschen seine Heimat Litauen besetzen. Am 2. Mai 1945 wird er auf dem Todesmarsch in der Nähe von Bad Tölz befreit. Dazwischen liegen Jahre des Grauens. Naor spricht über seine furchtbaren Erlebnisse und über die Herausforderungen des „Menschseins“ nach der Shoa.

Henry G. Brandt

Von der Suche nach dem Verlorenen

Henry G. Brandts (1927–2022) Familie gelingt 1939 mit einem der letzten Schiffe die Flucht nach Palästina. Die Münchner Hauptsynagoge war da bereits abgerissen, die Schwabinger Schuhgeschäfte der Familie enteignet. Brandt erzählt von einem bewegten Leben, das ihn schließlich als Rabbi zurück nach Bayern führt.

Marianne Koch

Mehr als ein Leben

Marianne, 1931 in München geboren, wusste als Kind nicht, dass ihr leiblicher Vater ein bekannter jüdischer Arzt war. Er war vor den Nazis nach Amerika geflohen, seine Identität wurde geheim gehalten. Marianne Koch, Filmstar der 1950er Jahre und bekannte Ärztin, spricht über ihre Familiengeschichte und das Leben vor, während und nach dem Krieg.

Max Volpert

Ein Junge aus Litauen

Max Volpert (1931–2021) ist das Kind einer jüdischen Familie aus Kaunas. Nach dem Überfall der Deutschen überlebt er nur knapp die Selektionen im Ghetto, die Zwangsarbeit im KZ und einen Todesmarsch. Erst spät erfährt er, dass seine kleine Schwester und die Mutter in Auschwitz ermordet wurden.

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